OER – Erwachsenenbildung – Forschungsprojekt

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Im Rahmen der Lehrveranstaltung (LV) «Erwachsenenpädagogische Medienkompetenz» im HS 2018 an der Universität Basel im Master «Educational Sciences (Erziehungswissenschaft), Vertiefung Erwachsenenbildung» hatten die Studierenden die Möglichkeit, einen Blogbeitrag als einen Teil des Leistungsnachweises zu verfassen. Ich freue mich, den ersten Beitrag an dieser Stelle veröffentlichen zu können. Und, da die Autor/innen Frau Bignasca und Herr Künzi an den openlearningdays.ch teilnehmen, haben Sie auch gleich die Gelegenheit mit Ihnen in Luzern ins Gespräch zu kommen!

«O», «E» und «R»: diese 3 Buchstaben begegnen einem aktuell häufig und stehen für «Open Educational Resources». In diesem Blogbeitrag möchten wir uns dieser Thematik annähern und Ihnen die Möglichkeit geben, mit uns darüber zu reflektieren. Darüber hinaus möchten wir zur Bedeutung von OER in Schweizer Weiterbildungsinstitutionen Experten/inneninterviews durchführen und wären äusserst dankbar, Feedback zu den geplanten Fragen zu erhalten.

Global OER Logo (Quelle)

 

 

 

 

Was sind OER?
Ein Ziel der UNESCO ist, Bildung für alle Menschen zu ermöglichen.
Hedwig Seipel erklärt kurz und knackig was OER sind: «OER steht für eine neue Lernkultur, die auf der Bereitschaft, das eigene Wissen mit anderen offen zu teilen und gemeinsam weiter zu entwickeln, basiert» (Petra Franke im Interview mit Hedwig Seipel, 2015, S. 1).

Diese Lernmaterialen können in unterschiedlichen Formaten vorliegen, wie zum Beispiel statisch (Texte, Bilder, Audios, Videos) oder dynamisch (Blogbeiträge, Wikis, Foren). Prinzipiell sind alle frei zugänglich, obwohl sie nicht immer kostenlos zur Verfügung stehen.

Bei den OER spielt die Lizenzierung eine wichtige Rolle. Es gibt verschiedene rechtliche Grundlagen für die Veröffentlichung dieser Lernmaterialien. Die Creative Commons-Lizenzen (siehe auch Website http://www.creativecommons.ch/) umfassen vier verschiedene Symbole. Diese vier Lizenzbestandteile können untereinander zur Bestimmung kombiniert werden:

  • BY > Namensnennung: Geben Sie immer den Autor der Arbeit an
  • NC > Nichtkommerziell: Kommerzielle Verwendungen sind nicht gestattet
  • ND > Keine abgeleiteten Arbeiten: Eine Nachbearbeitung der Arbeit ist nicht zulässig
  • SA > Teilen Sie auf die gleiche Art und Weise: Die modifizierte Arbeit muss unter den gleichen Bedingungen verteilt werden, die vom Autor auferlegt werden.

CC-Lizenzen (Quelle)

Durch die Kombination der Symbole ergeben sich (obenstehende) sechs Standard-Lizenzen.

Mittlerweile hat das Thema enorm an Reichweite gewonnen und wird immer populärer. Jedoch wird der Einsatz und das Bereitstellen von OER von Skeptikern und Befürwortern kontrovers diskutiert: Die Diskrepanz liegt vor allem darin, weil diese Materialien «kostenlos und umsonst» sind. Ist das eine sinnvolle Chance oder keine sichere Sache? Die „Angst“ liegt vor allem bei den Herausforderungen und Risiken der digitalen Welt.

Eigene Darstellung: Mindmap zu OER

Im Nachfolgenden wenden wir uns den Potenzialen von OER in der Erwachsenenbildung zu.

OER in der EB / WB
Im Zusammenhang von OER, insbesondere auch in der Erwachsenenbildung kann immer wieder von Forderungen und Potenzialen gelesen werden:

«So sollen Bildungsmaterialien, die aus öffentlichen Mitteln (ko-)finanziert werden, standardmäßig als Open Educational Resources (OER) freigegeben sowie in offenen Formaten bereitgestellt werden, um so auch für Dritte nutzbar zu sein» (Bündnis freie Bildung, Positionspapier, 2018, S. 4).

Die Potenziale beziehen sich vor allem auf den erleichterten Zugang und die damit einhergehende Demokratisierung der Bildung sowie die durch kollaborative Arbeitsweisen erwartete Innovation in der Bildung. Diese beiden zentralen Aspekte wurden von Artikeln «Was sind Open Educational Rescources» der UNESCO (Deutsche UNESCO-Kommission, 2013, S. 5) und OECD (Orr, Rimini und van Damme, 2015, S. 30) aufgebracht. Das OER-Whitepaper (Blees, Deimann, Seipel, Hirschmann & Muuß-Merholz, 2015) versucht die Bedeutung von OER in der Erwachsenenbildung und Weiterbildung in Deutschland zu erfassen.
Da OER, wie Open Source Software, auf offenen Lizenzen beruhen, können gewisse Parallelen gezogen werden, was den Umgang mit den Inhalten und die mögliche Verbreitung angeht. Sofern der Vergleich OpenSource und OER tatsächlich zulässig ist, darf somit von einer in Zukunft steigenden Bedeutung und Verbreitung ausgegangen werden. Open Source Software macht heute einen bedeutenden Bestandteil der eingesetzten Software aus.

Laut der Webseite Statista laufen aktuell 31% aller Webserver mit der OpenSource Software Apache (vgl. Grafik „Häufigste Internetserver Software“. Quelle: Statista).

Der Browser Firefox hält, wenn auch sinkend, 10% Anteil aller eingesetzten Browser, wobei der grösste Teil mit fast 68% auf den Browser Chrome fällt, der mindestens teilweise einem OpenSource Projekt entstammt (vgl. „Häufigste Internetbrowser“. Quelle: Statista).

Betrachtet man die Forderungen, die an OpenSource Projekte gestellt werden (aufgestellt von Eric Steven Raymond, einem der Pioniere der OpenSource Bewegung und nachzulesen in seinem Essay „Die Kathedrale und der Basar“), fällt auf, dass diese im Wesentlichen zusammengefasst den bereits beschriebenen Forderungen in Bezug auf OER von UNESCO (Demokratisierung/Bildung als Menschenrecht) und OECD (kollaborative Arbeitsweise als Triebkraft der Innovation) entsprechen. OpenSource-Projekten ist inhärent, dass sie nicht von Konzernen abhängig sind und ihre Unabhängigkeit als Bedingung für eine konsequente und sinnvolle Weiterführung des Projekts gesehen wird. Adaptiert auf Bildungsinhalte, helfen diese Konzepte eine ständige Weiterentwicklung und ungehinderte Verbreitung sowie den Zugang für alle zu sichern.

In der Erwachsenenbildung – insbesondere für die „informelle Bildung“ – eröffnet dies Chancen, Bildung trotz fehlender Mittel überhaupt stattfinden zulassen. Die zur Verfügung stehenden Ressourcen, in Form von Lernmaterialen, die bestmöglich abgeändert, kombiniert und geteilt werden können, machen Bildung erst möglich. Weiterbildungsinhalte von Grund auf zu erstellen blieb bisher, auf Grund der damit verbundenen Kosten, oft Weiterbildungsinstitutionen oder grösseren Betrieben vorbehalten. Im Bereich der informellen Bildung, beispielsweise in Vereinen, anderen Interessensgruppen oder in selbst initiierten Lernzusammenhängen, bietet der Einsatz von OER vielfältige Chancen und Möglichkeiten: Insbesondere dann, wenn Bildung für benachteiligte Gruppen organisiert werden soll, für die keine Finanzierung zur Verfügung steht. Bildungszusammenhänge abseits der betrieblichen oder beruflichen Weiterbildung, die oft ehrenamtlich getragen werden, können so von der durch den Austausch und die Offenheit bedingte Innovationskraft profitieren. Da OER nicht an Betriebe, Verlage oder andere ihre eigenen Interessen verfolgenden Organisationen gebunden sind, haben sie zudem das grosse Potenzial über ihre eigene Unabhängigkeit emanzipatorische Prozesse anzustossen und zu ermöglichen. Die kritische Auseinandersetzung, mit dem Inhalt einerseits aber schliesslich auch mit Bildung selbst, kann durch die Form der Lernmaterialien angeregt werden. Ein weiterer Treiber der Innovation kann in der Verbindung unterschiedlicher Bildungsbereichen gesehen werden. Die Rückkoppelung auf betriebliche und berufliche Bildung durch Anregungen aus der informellen Bildung entsteht erst durch die Art der Weiterentwicklung und Zusammenarbeit an Lerninhalten über diese Grenzen hinweg. OER dienen somit der Demokratisierung und dem Zugang zu Bildung und lassen sich zurückführen auf den Artikel 26 der Allgemeinen Menschenrechte.
Mit einem weiteren Zitat aus dem Essay „Die Kathedrale und der Basar“ von Eric Steven Raymond, über das Open Source Betriebssystem Linux, kann hier der Bogen geschlossen werden: „Linux is subversive“ (Raymond, Eric S., 1997) – OER sind revolutionär für die Bildungswelt.

Forschungsprojekt: Interviewleitfaden
Wie schon erwähnt, möchten wir uns mit diesem Thema direkt ins erwachsenenbildnerische Feld begeben. Unsere Forschungsfrage lautet: Wie, weshalb und für wen gestalten Weiterbildungsinstitutionen OER-Kurse?
Die geeignete Interviewform für dieses kleine Forschungsprojekt ist das Expert/inneninterview. Es soll wissenszentriert sein und einen möglichst präzisen Leitfragen beinhalten.

Wir haben an einige Fragen gedacht, und wären froh über ein Feedback Ihrerseits.
Uns interessiert Ihre Meinung: Welche Fragen passen zum Thema? Welche Frage(n) würde(n) noch wichtig sein? Anderseits, welche Frage(n) hat/haben keinen Sinn?

  • Seit wann arbeiten Sie mit OER?
  • Was sind ihre Erfahrungen im Umgang mit OER?
  • Wo sehen Sie das grösste Potenzial bez. OER?
  • Welche Schwierigkeiten sehen Sie im Umgang mit OER?
  • Sind Ihnen Schulungen für den Umgang mit OER bekannt? Sind OER Bestandteil des SVEB Lehrgangs?
  • Stellen Sie Lehr-/Lernmaterialien Ihrer Schule als OER zur Verfügung? Warum/warum nicht?
  • Welche Grundidee haben Sie mit Ihren OER? Warum bieten Sie OER an?
  • Wie werden OER bei Ihnen hergestellt? Welche Formate haben Ihre Angebote?
  • Wie kann man Ihre OER finden und wie werden diese bereitgestellt?
  • Sensibilisierung?
  • Qualifizierung?
  • Was empfehlen Sie Ihren Kollenginnen und Kollegen? Wie und wo können sie sich ausführlich und verständlich über das Thema informieren?
  • Welche gesellschaftliche Veränderungen wird OER unweigerlich hervorrufen? Sehen Sie auch Risiken?

Weitere interessante Links
Verschiedene Webinare, Vorträge, Forums oder MOOC Kurse sind zu dieser Thematik zu finden. Unter anderem bieten folgende deutschsprachige Webseiten www.oer-schweiz.ch und http://open-educational-resources.de einen guten Überblick – eine allgemeine Sammelquelle rund um dieses Thema. Die von uns benannten und weitere recherchierte Quellen werden auf der Schweizer Website integriert.

Autor/innen: Nadia Bignasca und Cäsar Künzi

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