Open-Access-Tage 2015 an der UZH

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Die Open-Access-Tage 2015 (#OAT15), die an der Universität Zürich (ein Dank an das Organisationsteam rund um André Hoffmann) stattfanden, sind bereits seit einigen Tagen vorüber und die ersten Überlegungen für die OAT16, welche an der LMU in München durchgeführt werden, sind schon präsent. In diesem Jahr hatte ich gemeinsam mit Nadja Böller die Gelegenheit, einen Vortrag mit dem Titel „Auf dem Weg zur „Offenen Wissenschaft“: Open Access plus Open Educational Resources – eine Chance, die Lehre sichtbar(er) zu machen“ zu halten. Darüber hinaus war Nadja Böller noch mit einem weiteren Beitrag „Zugriff auf alles und für alle – für immer“. Wie das Projekt „Nationallizenzen“ die schweizerische Open-Access-Bewegung unterstützt“ auf der Tagung vertreten.

Die OAT15 fanden zum 9. Mal statt und es wurde deutlich, dass sich die Community weiterhin mit hohem Engagement den Chancen und Herausforderungen von Open Access (OA) zuwendet. Die Inhalte der international ausgerichteten Keynotes, die vielfältigen Beiträge in den zahlreichen parallelen Sessions sowie die der Poster trugen zu diskursreichen Tagen zwischen Bibliothekar/-innen, Verlagsmitarbeitenden, Wissenschaftler/-innen und weiteren interessierten Personen bei. Neben Fragen zu Kosten-, Finanzierungs- und Förderungsmodalitäten steht immer wieder die Diskussion über Metadaten in all seinen Facetten im Zentrum. Mit Blick auf „Movement to Openness“ wurde deutlich, dass Open Data/Big Data, die steigende Anzahl an (Forschungs-)Daten und ihr Umgang damit, ein Themenfeld ist, welches vermehrt in den Vordergrund rücken wird.

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Collage OA-Tage (Universität Zürich)

Viele „Open-Begrifflichkeiten“, wie Open Access, Open Data, Open Source … sah man wiederholt auf den unterschiedlichsten Präsentationen. Eine Perspektive blieb jedoch aus: Die Verbindung des Diskurses von wissenschaftlichen Publikationen, Forschungsdaten und -ergebnissen mit dem Diskurs zu Open Educational Resources (OER), bei denen der Schwerpunkt auf der für die Lehre erstellen Bildungsmaterialien oder auch Vorträgen bei Tagungen liegt.

Open Science wird – unserer Wahrnehmung nach – häufig ausschliesslich als Öffnung des Wissenschaftssystems mit Blick auf die Forschung und ihrer Ergebnisse gedacht. Die vielbeschworene und bildungshistorisch begründete Verknüpfung von Forschung und Lehre spiegelt sich kaum wider. Ohne hier jetzt grundlegende Überlegungen eines in Kürze von uns zu publizierenden Aufsatzes zum Thema vorwegzunehmen, wird es vielerorts immer sichtbarer, dass OERs ebenso einen entscheidenden Beitrag zu Open Science beisteuern. Wenn Open Science die „Öffnung des Wissenschaftssystems und ihrer Mitglieder“ intendiert und die öffentlich zugängliche Darstellung wissenschaftlicher Kommunikationen das gemeinsame Ziel ist, so zeigt sich, dass den OERs hier eine besondere Rolle beizumessen ist. OERs bieten zum einen neue Wege des Hochschulmarketings und zum anderen ermöglichen sie beispielsweise einen Einblick in die Lehre. Mit diesen Bildungsmaterialien lässt sich, wie sich anhand von Teilnehmendenzahlen von MOOCs zeigt, eine Vielzahl an interessierten Menschen für verschiedene Themen auch ausserhalb des klassischen Wissenschaftsbetriebs gewinnen. Den Personen wird dadurch die Öffnung der Hochschulen die Chance geboten, sich auch aus wissenschaftlicher Perspektive mit Themen ihres Interesses zu befassen. Daten und Dokumente, die im Sinne von OA erstellt werden, sind häufig durch das spezifische wissenschaftliche Format oder die Textform und Darstellung gekennzeichnet. Dies hat zur Folge, dass Forschungsergebnisse zum Teil nicht anschlussfähig an die Praxisfelder sind. So wenden sich beispielsweise KMUs eher selten der Analyse der OA-Literatur der Hochschulen zu, wenngleich hier beachtenswerte Kenntnisse zur Verfügung stünden, so eine Referentin auf den OAT15. Auch bemerkenswerte Beiträge aus dem Forschungsfeld der schulischen Bildung stehen als OA-Materialien zur Verfügung und offerieren Lehrpersonen, Eltern und weiteren Interessensgruppen spannende Erkenntnisse.

Unserer Ansicht nach sind OA und OER zwei tragende Säulen auf dem Weg zu Open Science. Zudem eröffnen sich durch diese Verbindung wechselseitige Unterstützungsszenarien. Beispielsweise ermöglicht das Know-how der Informationswissenschaftler/-innen, Bibliothekar/-innen und weiteren, der OER-Community den Aufbau bzw. die Verbesserung zu sinnvoll ausgewiesenen und strukturierten Repositorien. Dies ist ganz konkret auch ein Anliegen der SIG OER für die Videoplattform der Schweizer Hochschule namens SWITCHtube. Im Bereich der Aus- und Weiterbildung im Bibliothekswesen wiederum bietet es sich beispielsweise an, von den Erfahrungen der Akteure der OER-Community zu lernen, sodass auch diese Angebote als OER zur Verfügung stehen. Die aktuelle „Ist-Analyse zu freien Bildungsmaterialien. Die Situation von freien Bildungsmaterialien (OER) in Deutschland in den Bildungsbereichen Schule, Hochschule, berufliche Bildung und Weiterbildung im Juni 2015“ von Martin Ebner, Elly Köpf, Jöran Muus-Merholz, Martin Schön, Sandra Schön und Nils Weichert bietet einen eindrücklichen OER-Überblick. Zur Stärkung der Öffnung des Wissenschaftssystems bedarf es der verstärkten Verknüpfung von OA und OER. Darüber hinaus sind weiterhin und zum Teil deutlicherere (bildungs-)politische Unterstützungen, Strategien sowie finanzielle Ressourcen notwendig. Die zukünftigen – gemeinsamen – Aktivitäten der OA- und OER-Communities werden sicherlich auch weiterhin einen konstruktiven sowie nachhaltigen Beitrag zum Diskurs leisten- wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!

Ergänzend möchte ich zudem noch zum Abschluss dieses Blogeintrages auf drei OA-Zeitschriften hinweisen, die im Rahmen einer Session von den Herausgebern (Dr. Andreas Ledl, Dr. Rudolf Mumenthaler und Dr. Karsten Schuldt) dem Publikum vorgestellt wurden; sie berichteten von ihren Erfahrungen als „Verleger“.

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