Informationswissenschaft meets Mediendidaktik

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„Ich habe Informationswissenschaft studiert.“ – „Aha, Informatik also?“ – „Nein, ich bin keine Informatikerin, ich bin eher im Bibliotheksumfeld tätig.“ – „Dann bist du also Bibliothekarin?“ „Nein, nicht im klassischen Sinne. Katalogisieren zum Beispiel kann ich nicht wirklich.“

Es ist nicht immer einfach zu erklären, was mein akademischer Hintergrund ist. Unter „Informationswissenschaft“ kann sich niemand so richtig konkret etwas vorstellen und schon gar nicht, wo und wie Informationswissenschaftler/-innen arbeiten. Das ist auch gut so, denn Informationswissenschaftler/-innen sind in Bereichen tätig, die mit der Nutzung, Verarbeitung und Darstellung von Informationsprozessen, Daten und Wissen zu tun haben. Dass es mich nun an die Fachstelle Digitales Lehren und Lernen in der Hochschule zog, ist daher nicht einfach nur Zufall.

Informationswissenschaft kann man in der Schweiz nur an zwei Fachhochschulen (Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW in Chur und Haute école de gestion in Genf) studieren. Das ist sicherlich auch einer der Gründe, warum der Bekanntheitsgrad dieses Studiengangs in der Schweiz relativ gering ist. Die Inhalte des Studiums sind eigentlich alles andere als exotisch, denn sie setzen genau dort an, wo die Bedürfnisse der heutigen Informationsgesellschaft liegen: Im Zentrum informationswissenschaftlicher Fragestellungen steht oftmals der Mensch, wie er Information nutzt und verarbeitet, wie technologische Komponenten ihn dabei unterstützen und wie man schliesslich all` diese Prozesse, die dahinter stecken, optimieren kann. Die Informationswissenschaft ist also das Bindeglied zwischen Mensch und Technik und somit eine sehr breit auszulegende Disziplin, die sowohl als Nachbar- als auch Hilfswissenschaft vieler Forschungsbereiche der Informatik, Soziologie, Pädagogik etc. angesehen werden kann.
Der Begriff „Information“ ist dabei immer zentral und wird unter informationswissenschaftlicher Perspektive verstanden als Wissen, das erst dann zur Information wird, wenn es innerhalb eines bestimmten Kontextes Anwendung findet. Jeder Studierende prägt sich sogleich am Anfang des Studiums den Spruch „Information ist Wissen in Aktion!“ ein. Vor diesem Hintergrund lassen sich unzählige Berufsfelder skizzieren. Klassischerweise sind Informationswissenschaftler/-innen in Bibliotheken, Archiven und Dokumentationsstellen aber auch Kommunikations- und Managementabteilungen von Unternehmen, IT-Firmen, Schulen etc. – also eigentlich fast überall – tätig, denn Information ist in der heutigen Gesellschaft einer der Schlüsselfaktoren.

Mein Weg an die Fachstelle Digitales Lehren und Lernen an der Hochschule der Pädgogischen Hochschule FHNW lässt sich nicht durch eine erziehungswissenschaftliche, pädagogische oder mediendidaktische akademische Laufbahn aufzeigen. Vielmehr hat sich im Laufe meiner beruflichen Tätigkeiten vermehrt ein Fokus auf medienpädagogische Aspekte im Umgang mit Information und Wissen herauskristallisiert. Nach meinem berufsbegleitenden Diplomstudium an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW in Chur und verschiedenen Stellen im Bibliotheksbereich war ich während sechs Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft tätig. Im Fokus der Forschungsvorhaben standen immer wieder die Fragen, wie sich die vielfältigen Möglichkeiten der Technologie und der Entwicklung des Internets optimal in die Lehre integrieren lassen. Dabei war es von besonderem Interesse, wie Studierende durch Unterstützung digitaler Lernprozesse ihre Schlüsselkompetenzen wie Informations- und Medien- aber auch Sozialkompetenzen optimal entwickeln können.

Die Schnittstelle zur Hochschulbibliothek war dabei besonders wichtig, denn diese bietet Wissen in Form von Büchern und elektronischen Ressourcen an. So hatte ich zum einen die Möglichkeit direkt in der Lehre tätig zu sein, indem wir einen umfassenden Blended Learning Ansatz wählten, um die Studierenden bei der Entwicklungen ihrer Kompetenzen zu fördern. Zum anderen war ich gleichzeitig verantwortlich für das Veranstaltungskonzept der Bibliothek, angefangen von einfachen Einführungen in den Bibliothekskatalog, über Schulungen zur Recherche von Fachdatenbanken bis hin zur konkreten Schreibberatung. Das hat mich auch dazu bewogen mich im didaktischen Bereich mit einem CAS in Hochschuldidaktik weiterzuentwickeln. 2013 erlangte ich zudem den Master of Science in Information Science und konnte die Breite der Informationswissenschaft nochmals auskosten und mich weiter qualifizieren.

Nach einem zweijährigen Abstecher an die ETH-Bibliothek im Bereich der Projektkoordination und digitalen Langzeitarchivierung hat es mich wieder vermehrt zu den didaktischen und pädagogischen Aspekten der Informations- und Mediennutzung hingezogen. Ich bin deshalb sehr glücklich, an der Fachstelle Digitales Lehren und Lernen in der Hochschule wieder ein berufliches Umfeld gefunden zu haben, in welchem ich meine Kompetenzen und Erfahrungen in diesem Gebiet einbringen sowie das vernetzte Denken an der Schnittstellen zwischen Technologie und Mensch im Kontext einer Hochschule anwenden kann. Wie die Informationswissenschaft selbst ist auch die Arbeit an der Fachstelle geprägt durch diese Schnittstelle. Aus hochschuldidaktischer Perspektive stehen in unseren Beratungen und Weiterbildungen die Hochschullehrenden im Mittelpunkt. Ziel ist es, dass sie ihre Lehre didaktisch mit Unterstützung digitaler Technologien optimieren, und gleichzeitig die Lernprozesse der Studierenden sinnvoll unterstützen können. Das an der Pädagogischen Hochschule FHNW eingesetzte Learning Management System (LMS) Moodle bildet dabei den Mittelpunkt. Das digitale Lehren und Lernen hört aber nicht bei der Nutzung eines LMS auf, der professionelle Einsatz eines LMS ist nur ein ganz kleiner Teil hochschuldidkatischer und medienpädagogischer Arbeit. Die rasante Entwicklung des Internets bietet unzählige und oftmals auch unüberblickbare Möglichkeiten, wie die Hochschullehre noch besser gestaltet werden kann. Auf unserer Website weisen wir deshalb auf die neusten Entwicklungen und Tools hin, sei dies mit regelmässigen Blogbeiträgen aber auch vielfältigen Beratungs- und Weiterbildungsangeboten. Die Fachstelle denkt dabei stets aus hochschuldidaktischer Perspektive, ohne den Aspekt der Medienbildung aus den Augen zu verlieren. Denn Hochschullehrende leisten durch die Gestaltung digitaler Lehr- und Lernprozesse einen enormen Beitrag an die Medienbildung der Studierenden selbst, was wiederum in die Berufspraxis einfliessen wird.

Ich bin gespannt auf die vielseitigen Herausforderungen, die unsere Arbeit an der Fachstelle heute und in Zukunft mit sich bringen wird und freue mich auf die zahlreichen Begegnungen an der Pädagogischen Hochschule FHNW und darüber hinaus.

 

2 Kommentare bis jetzt:

  1. […] "Ich habe Informationswissenschaft studiert." – "Aha, Informatik also?" – "Nein, ich bin keine Informatikerin, ich bin eher im Bibliotheksumfeld tätig." – "Dann bist du also Bibliothekarin?" "Nein,…  […]

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