Kollaborative Textarbeit: Szenarien und Tools

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Neben dem Lesen ist das Schreiben eine der zentralen Aufgaben in Studium und Wissenschaft. Die Kompetenz des wissenschaftlichen Schreibens wird niemandem in die Wiege gelegt, sondern muss angeeignet werden. Dazu gehört nicht nur, dass man die Kriterien für wissenschaftliche Texte kennt — von bestimmten Formulierungen angefangen über das Schreiben im Präsens bis hin zum korrekten Zitieren und Ausweisen von Quellen – sondern auch, dass man sehr viel schreibt und das Geschriebene mit anderen bespricht. Nur so entwickelt sich ein Schreibstil, der sowohl den akademischen Ansprüchen genügt, als auch eine eigene Charakteristik aufweist. Im Folgenden möchte ich Szenarien und Tools vorstellen für die Bearbeitung von Texten mit mehreren Personen. Manche mögen dabei denken: Aber das ist doch nichts Neues! Allerdings erlebe ich im Alltag immer wieder, dass die Tools nicht allen (Studierenden wie Lehrenden) bekannt sind – und hier setzt dieser Blogpost an. 

Szenario 1: Gemeinsam einen Text entwickeln, z.B. für eine Studienarbeit oder eine Publikation

Immer häufiger arbeiten Studierende (und auch Lehrende und Forschende) in Teams und das Endprodukt solch einer Zusammenarbeit ist allzu oft ein Text. Allerdings sitzt man kaum zusammen und beginnt von Anfang an miteinander Formulierungen zu erarbeiten und druckfertigen Text zu schreiben. Vielmehr beginnt die Textarbeit beim Erarbeiten einer (kommentierten) Gliederung (vgl. dazu an anderer Stelle „Wie man wissenschaftliche Arbeiten (zu Ende) schreibt“) und beim Sammeln von Informationen und Textbausteinen. Wichtig ist, dass alle Beteiligten zugleich Zugriff auf das Textdokument haben, parallele Versionen vermieden werden und dass sichtbar wird, wer was geschrieben hat (z.B. um inhaltlich nachfragen zu können). In dieser Phase der Textproduktion kommt es noch nicht so sehr auf das Layout des Textes an, sondern vielmehr auf den Inhalt und dass dessen Entstehung nachvollziehbar ist. Im Rahmen von Lehrveranstaltungen kann eine gemeinsam entwickelte kommentierte Materialsammlung oder Gliederung bspw. zur Aktivierung von Vorwissen genutzt werden, zur Vorbereitung von kommenden Arbeitsschritten, zur Vorbereitung für eine Gruppenphase uvm.

Für solch gemeinsame Textentwicklung steht Studierenden und Mitarbeitenden der PH FHNW eine Fülle von Tools zur Verfügung. Diese sind beispielsweise die FHNW-Tools Teampad und Etherpad. In beiden Tools können mehrere Personen gleichzeitig und ortsunabhängig an einem Text arbeiten, jede Person schreibt dabei mit einer anderen Farbe. Parallel dazu besteht die Möglichkeit, miteinander zu chatten. Ein weiteres Tool (extern) ist der Fiduswriter. Dieser bietet darüber hinaus auch die Möglichkeit einer gemeinsamen Bibliographie. Ferner steht auch in Groups Inside FHNW ein kollaboratives Texttool zur Verfügung, auf das ich jedoch nicht näher eingehen möchte, da diese Plattform sich nicht für den Lehrkontext anbietet.

Szenario 2: Gemeinsam einen Text korrigieren und überarbeiten

An einem bestimmten Zeitpunkt im Laufe einer Textproduktion sind die zentralen Inhalte fixiert und auch das grobe Gerüst des Textes steht. Die nächsten Arbeitsschritte beziehen sich jetzt vielmehr auf die sprachliche Qualität des Textes, von Formulierungen über Grammatik zu Rechtschreibung und Interpunktion. Nun kann man das Dokument einfach in Teampad oder Etherpad korrigieren. Über die Verlaufsfunktion „Timeslider“ ist es möglich, die gemachten Veränderungen nachvollziehen. Das ist aus meiner Sicht aber nicht wirklich komfortabel. An dieser Stelle empfehle ich zu Word/iWord zurückzukehren. Dort kann man in komfortabler Weise den Text sukzessive bearbeiten mit der Funktion „Änderungen nachvollziehen“ (unter Menüpunkt „Überprüfen“).

Diese Funktion macht die Veränderungen sichtbar, nicht nur durch farbliche Markierung. Gelöschtes wird durchgestrichen, neu Eingefügtes mit Unterstrich versehen. So ist nicht nur auf einen Blick sichtbar, was verändert wurde, sondern diese Korrekturen können sehr einfach angenommen oder abgelehnt werden. Sobald Korrekturen angenommen/abgelehnt werden, verschwindet die farbliche Markierung. Allerdings muss man sich gegenseitig die korrigierten Versionen zur Verfügung stellen und abklären, wer wann das aktuelle Dokument vorliegen hat.

In Lehrveranstaltungen bietet es sich beispielsweise an, dass Studierende gegenseitig Texte im Sinne eines Peer-Feedbacks korrigieren und optimieren. So könnte eine Gruppe Texte gegenseitig überarbeiten und mittels Korrekturfunktion den Textentwicklungsprozess auch für andere (z.B. Lehrende, Kommiliton/-innen) sichtbar machen. Ziel könnte – neben der Optimierung der Texte – sein, eine Liste der typischen ‚Fehler‘ im wissenschaftlichen Schreiben oder der ‚Perlen‘ wissenschaftlicher Formulierungen zu entwickeln.

Szenario 3: Gemeinsame Textentwicklung mit dem Wiki in Moodle

Abschliessend möchte ich auf die Wiki-Funktion in Moodle hinweisen. Dort können die Studierenden gemeinsam Texte schreiben, die Lehrenden sehen wer was geschrieben hat (leider keine farblichen Unterscheide) und zudem können die Studierenden ein Peer-Review durchführen – alles innerhalb unseres Learning Management Systems Moodle.

Ein Kommentar bis jetzt:

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