Eine neue Hardware hält Einzug in den privaten und beruflichen Alltag. Tablets und iPads boomen. Ganz deutlich kann man den Trend an den enormen Verkaufszahlen ablesen. Neben der mobilen, dünnen Hardware, die ohne Tastatur oder Laufwerk auskommt, verbirgt sich hinter diesen Produkten zudem die Philosophie der Apps.
Der Blick richtet sich auf die Geräte und die Software und, wie so oft im Bereich der technologischen Entwicklungen, macht man sich auf die Suche nach dem wirklich Neuen, dem Innovationsgewinn aus der Perspektive der User. Bezogen auf den Bildungsbereich ist man aufgefordert, der Frage nach dem Nutzen für die User und der des didaktischen Mehrwertes nachzugehen. Ausprobiert und untersucht werden das veränderte Lehr-/Lernsetting, die möglichen neuen Lernstrategien oder die verborgenen kreativen Potentiale, die ein solches Gerät wecken kann.
Die PH FHNW geht einen besonderen Weg zur Beantwortung dieser Fragen. Nicht die Studierenden werden mit iPads oder Tablets ausgestattet, sondern die Hochschullehrenden erhalten das Angebot einer mehrwöchigen Weiterbildung im Blended Learning Design. Die Nachfrage seitens der Dozierenden nach dem Kursangebot „iPad – Wischen und Tippen“ war enorm – nicht allen Interessierten konnte in der ersten Durchführungsphase ein Platz zur Verfügung gestellt werden. Insofern beabsichtigt die Fachstelle Digitales Lehren und Lernen in der Hochschule – auch vor dem Hintergrund der erneut hohen Anmeldezahlen – das Blended-Learning-Angebot zu verdoppeln.
Mit diesem 15-wöchigen Schulungsangebot bietet die PH FHNW als erste Präsenzhochschule eine Weiterbildung für die Zielgruppe der Dozierenden an. In einem Abstand von etwa drei Wochen treffen sich die Lehrenden am Abend zu Präsenzveranstaltungen. In der Zwischenzeit, d.h. in der Online-Phase, haben die Teilnehmenden viel vor; sie entdecken das Gerät, lernen Apps kennen und wählen spezifisches Zubehör aus. Doch diese Entdeckungsreise bleibt nicht im Geheimen und das erworbene Wissen wird nicht nur individuell gespeichert. Unterstützt und motiviert durch die Veranstaltungsleitung und den Einsatz eines Learning Management Systems (LMS) wird eine kooperative und kollaborative Arbeitsumgebung geschaffen. Die Dozierenden werden hier zu Teilnehmer/innen und lernen entsprechend die Verwendung digitaler Technologien in der Lehre aus dieser teilnehmenden Perspektive kennen. Zum einen sehen und erfahren sie, welche Optionen ein LMS mit den zahlreichen Tools bietet und zum anderen kommunizieren sie online miteinander. So wird für sie die Bedeutung ihrer und der Gruppen-Online-Kommunikation sichtbar. Den Dozierenden stehen auf dem LMS, so wie es ihnen sicherlich zumeist bekannt ist, unterschiedliche Materialen zur Verfügung. Neben Anleitungen, Hilfe- und Aufgabestellungen werden auch Tests zur Zielüberprüfung nach jeder Online-Phase auf dem LMS Moodle durchgeführt. Die Ergebnisse geben der Weiterbildungsleitung einerseits eine Rückmeldung zum Verstehen der Kursinhalte und andererseits kann man in Bezug auf die Test-Rückmeldungen in den Präsenzsitzungen über Schwierigkeiten und Erlerntes diskutieren. In den Online-Foren im Moodle-Kursbereich der derzeitigen Veranstaltung werden erste Tipps und App-Hinweise ausgetauscht, daraus ergab sich bspw. die Idee, dass beim nächsten Präsenztreffen Teilnehmende eine App im Kontext der didaktischen Einbindung in ihr jeweils fachspezifisches Design vorstellen. Insgesamt ist festzuhalten, dass die Online-Phase moderiert wird und die Teilnehmenden erleben, was es heisst, Aufmerksamkeit nicht nur von ihren Kolleg/innen zu bekommen, sondern auch, welche Rolle und entsprechend Aufgaben auf einen/eine Dozierende/n in einem Blended Learning Setting zukommen.
Diese Form der Weiterbildung, in der Medienbildung und Hochschuldidaktik als erfahrungsorientiertes Lehr-/Lernarrangement verstanden werden und digitale Technologien zum Einsatz kommen, die die Teilnehmer/innen in ihrer Lehre selbst einsetzen, wird ganz konkret „on the job“ gelernt. Der sogenannte „didaktische Doppeldecker“ ist hier in der Hochschuldidaktik angekommen. Die Teilnehmenden erfahren und erlernen wiederum durch bewusste Reflexion Grundprinzipien des didaktischen Handelns.
Überdies wird in diesem Forschungs- und Praxissetting deutlich, dass und in welcher Form neben dem formellen gerade auch das informelle Lernen gefördert wird und bspw. implizites Wissen über Mediennutzung explizit wird und die Gruppe zur Reflexion und somit zur kritisch-reflexiven Medienbildung beiträgt.
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